Liebeserklärung an Philotes

für Aki und auch für die anderen lieben Menschen, die mich am Leben halten…

Du brauchst etwa acht Minuten für eine Zigarette. In acht Minuten kommen an der Haltestelle drei Straßenbahnen an. Dreimal also kannst du schauen, ob er diesmal aussteigt. Der Traummann, auf den du noch immer wartest, den du aber, falls er einmal da sein sollte, noch verlassen wirst, bevor er dich verlassen kann. So wie dich dein Vater verlassen hat. Und dein Verstand.
Manchmal, nach zwei Flaschen Wein.

In dem Land, in welchem ich geboren wurde und welches seit langer Zeit nicht mehr existiert, begrüßte man sich in der Schule jeden Tag mit meinem Lieblingswort: Freundschaft. Ich bezweifle stark, dass es sich dabei um die gleiche Bedeutung des Wortes drehte, wie ich sie empfinde. Denn in meinen Augen kennt Freundschaft keinen Zwang. Freundschaft ist Freiheit. Ist Liebe. Ist die Möglichkeit auf eine Familie, die man sich aussuchen kann und vielleicht so nie hatte. Eine Familie, die einen auch dann noch liebt, wenn man ein eigenes Leben lebt. Die ein Zuhause gibt, ohne etwas dafür zu verlangen. Ich habe viele Bekannte, aber nur wenige Freunde. Die aber bedeuten mir alles. Das ist meine Familie.*

Freundschaft: die Möglichkeit sich gegenseitig dabei zu helfen, sich um sich selbst zu kümmern…. Die Griechen haben zwischen Liebe und Freundschaft keinen Unterschied gemacht: Philia. Damit war alles gesagt. Philotes war ihre Göttin und zugleich ein Kind der Nacht.

Auch wir sind Kinder der Nacht. Manchmal.

Manchmal sitzen wir irgendwo in der Stadt und beobachten zusammen Menschen und erzählen uns Geschichten über die Leben der Passanten, die wir gar nicht kennen können.
Manchmal sitzen wir in deiner Küche und du singst mir Schlager vor und obwohl ich die eigentlich überhaupt nicht mag, muss ich dann lächeln. Und dann verrätst du mir Geheimnisse und ich dir.
Manchmal sitzen wir in Kneipen und sagst „Du bist heute wunderschön“ oder „Ich finde es bezaubernd, dass du gerade bei mir bist.“ Oder du fragst mich, was du mit der ganzen leeren Zeit machen sollst, wenn ich nicht da bin.
Manchmal gehen wir spazieren im Dunkeln und wissen überhaupt nicht, wohin uns die Wege führen.
Manchmal verlieren wir uns ein paar Tage, um uns dann wieder zu finden.
Manchmal will ich dir einfach über die Schläfe streichen, damit du geborgen einschlafen kannst….
Immer in deiner Nähe habe ich das Gefühl, dass ich gerade völlig bei mir bin. Und immer fühle ich mich dir sehr nahe. Immer geht es mir besser, sobald ich dich sehe. Und immer gehe ich betrunken heim, auch wenn es nur Wasser gab.

Manche Menschen sehen das. Und dann sind wir manchmal mehr als du und ich, und wir stecken die anderen mit unserem Hunger nach Sehnsucht an.
Manchmal sind die Häuser heimatlos.
Manchmal aber ist auch die Heimat Häuserlos.
Manchmal sehnen wir uns nach einer Kindheit, die wir nicht hatten. Und haben Angst vor Bindungen, weil wir sie so sehr sehnten. Manchmal fällt das Laub auch dort, wo es niemals Blüten gab.
Manchmal muss man die Blätter einfach einfangen und etwas Schönes daraus basteln.
Manchmal sind wir Raupen. Manchmal Nachtfalter. Manchmal Schmetterlinge.
Manchmal bist du mehr Bruder, manchmal mehr Freund. Manchmal einfach nur da. Und seit du bist, ist mein Leben schöner geworden.
Wir bauen uns eine kleine Familie.
In deinem Kopf entsteht schon ein neues Universum.

Und da will ich auch wohnen.
Immer.


*Meine Familie: Malina, Chrissi, Nadja, Erec, Paula, Janet, Nadine, Denise, Leo, Paul, Kathrin und Du.  // Ich liebe euch.

Sazzue

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